In Business Insider erzählt Marie Pabelonio, die als Redaktionsleiterin Karriere bei Google im Personalbereich gemacht hat, wie sich ihre Arbeit durch KI verändert hat. Zwei Sätze blieben bei mir hängen:

„Ich glaube, es wird mehr darauf ankommen, wie wir denken, und nicht darauf, was wir wissen.“

„Das intensive Studium der Literatur hat mir geholfen, mehr über Fragen statt über Antworten nachzudenken.“

Pabelonio hat 2009 einen Bachelor in Englisch abgeschlossen. Sie arbeitete als Faktencheckerin, Werbetexterin und Redakteurin bei Goodreads und ist seit 2019 bei Google. Im Artikel beschreibt sie, was KI in ihrem Alltag tut – Vorlagen generieren, Checklisten für Ton und Stil vorbereiten, Entwürfe strukturieren, und was sie selbst tut: urteilen, ob ein Text sein Ziel erreicht, wie er in die Gesamtstrategie passt, ob Ton und Wärme stimmen. Durch KI arbeitet sie nicht mehr oder weniger, sondern anders.

Was daran zuversichtlich stimmt

Für Geisteswissenschaftler:innen steckt in Pabelonios Geschichte ein Profil, das positiv zu erzählen ist. Das Literaturstudium wird nicht als Umweg gerahmt, sondern als Vorbereitung darauf, in Fragen zu denken. Urteilsvermögen wird als Kernkompetenz beschrieben. Und KI-Kompetenz ist nicht fachfremdes Tech-Skill, sondern die Fähigkeit, gute Eingaben zu formulieren und Ergebnisse zu prüfen. Schreib- und Denkarbeit. Pabelonio sagt, dies sei der Moment, mit dem eigenen Urteilsvermögen und der eigenen KI-Praxis zu „prahlen“. Ich selbst beobachte eher, dass wir uns für die KI-Praxis entschuldigen oder sie verbergen.

Und doch: nicht direkt übertragbar

Die Geschichte ist ermutigend, aber sie ist amerikanisch. Es gibt kein deutsches Google. Redaktion, Content-Strategie und HR-Kommunikation werden in deutschen Unternehmen selten als strategischer Kern verstanden. Der Pfad Bachelor → Industrie → Tech ist in den USA bekannt, in Deutschland erklärungsbedürftig. Mentoring, das dort durch räumliche Nähe entsteht, müsste hier organisiert werden und bleibt individuell. Rollenmodelle sind selten sichtbar, ihre Wege nicht aggregiert erzählt. Und während „transferable skills“ im US-Bewerbungsdiskurs ein gesetzter Begriff ist, bleibt „Schlüsselqualifikationen“ blass und unsystematisch. Dazu die Promotionsfrage: Pabelonio hat einen Bachelor – für uns immer noch kein vollwertiges geisteswissenschaftliches Studium, und ein Wechsel in bildungsnahe oder intellektuell angesehene Bereiche wäre schwer.

Zum Schluss

Pabelonios Geschichte ist keine Roadmap, die wir kopieren könnten. Aber sie erinnert uns an die Möglichkeit, die eigene GEschichte positiv zu erzählen und Schwerpunkte gezielt zu setzen:
– üben, in Fragen zu denken.
– Urteilsvermögen schulen
– KI-Praxis konkret beschreiben.
Diese drei Dinge sind in Deutschland möglich. Was noch fehlt, sind Strukturen, die sie sichtbar machen und anerkennen, und ein Vokabular, das sie beschreibt.

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