
Eine typische Frage im Rahmen von Beratungen zur Bewerbung ist: Wie verpacke ich meine Defizite? Die fehlende Berufserfahrung, die Lücke im Lebenslauf, das eine Kriterium aus der Stellenanzeige, das nicht ganz passt…
Die Frage kommt so häufig, dass ich hier gern eine Perspektive teilen möchte. Bewerbungsschreiben und CV sind keine Orte, an denen wir uns für Abweichungen rechtfertigen müssen, oder wo wir potenzielle Schäden melden, bevor sie auffallen.
Bewerbungen sind keine Schadensanzeigen.
Was also tun mit den vermeintlichen Defiziten? Wir arbeiten dann meist auf zwei Ebenen:
- Was kommt in die Bewerbung?
Nicht alles, was zu dir gehört, gehört ins Anschreiben. Manche wollen sich vollständig vorstellen, um Authentizität und Kontext zu bieten. Aber wenn wir Kuchen backen, kommt auch nicht alles in den Teig, was im Vorrat steht. Wir wählen aus, was zum Ergebnis passt und den Kuchen handwerklich gelingen lässt. - Was bearbeitest du für dich?
Manchmal ist das Defizit-Gefühl ein Hinweis auf echten Entwicklungsbedarf. Manchmal ist es nur innere Kritik, die lauter spricht als nötig. Vielleicht auch, weil Kritik üben zu unseren professionellen Fähigkeiten gehört. Wir sind gut darin, zu kritisieren. Auch uns selbst. Aber an dieser Stelle ist es nicht geboten.
Also: Sortieren, auswählen, und dann mit dem antreten, was du mitbringst. Das ist meist mehr als genug.
Mehr von Brotgelehrte zum Thema Bewerbung
- Bewerbungsanschreiben: Fokussierung auf Aufgaben statt Lebenslauf-Nacherzählung – Brotgelehrte
- Initiativbewerbungen – Brotgelehrte
Weiterlesen
- Imposter-Phänomen – Wikipedia
- Langfort/Clance: THE IMPOSTOR PHENOMENON: RECENT RESEARCH FINDINGS REGARDING DYNAMICS, PERSONALITY AND FAMILY PATTERNS AND THEIR IMPLICATIONS FOR TREATMENT, in: Psychotherapy 30 (1993), 495-501, -Langford.pdf:
