Warum der GEO-Shift PR-Arbeit für Geisteswissenschaftler:innen interessant macht

Heute las ich in der aktuellen brandeins ein Zitat von Stefanie Söhnchen, GEO-Expertin von Piabo: „Ich gehe davon aus, dass wir deswegen wieder mehr PR-Arbeit sehen werden.“ „Deswegen“ meint im weiteren Sinne: wegen des höheren Werts von konsistenten, überprüfbaren und anschlussfähigen Quellen für GEO (Generative Engine Optimization) im Unterschied zu SEO. Wie also können Inhalte so aufbereitet werden, dass sie nicht nur in Google-Suchergebnissen auftauchen, sondern auch in den Antworten von LLM wie ChatGPT oder Perplexity?
Was sich verschiebt
Klassisches SEO optimierte für Rankings in Suchergebnislisten. Viele Anfragen werden inzwischen aber direkt im Antwortfenster beantwortet – ohne Klick auf eine Website. Damit ändert sich, worauf es ankommt: nicht mehr primär „oben stehen“, sondern überhaupt als zitierwürdige Quelle erkannt werden.
Generative Systeme greifen bevorzugt auf strukturierte, glaubwürdige Inhalte zurück: Pressemeldungen, Beiträge in Qualitätsmedien, Studien, Factsheets. Damit rückt klassische PR-Arbeit wieder ins Zentrum – allerdings anders als „früher“: weniger als anlassbezogene Einzelmeldung, mehr als kontinuierliche, fachlich substanzielle Kommunikation.
Was das mit Geisteswissenschaften zu tun haben kann
Die Anforderungen an GEO-taugliche Inhalte lesen sich wie eine Stellenbeschreibung für Absolvent:innen der Geistes- und Kulturwissenschaften:
- Komplexe Sachverhalte präzise und strukturiert aufbereiten
- Narrative entwickeln, die sowohl für Menschen als auch für algorithmische Extraktion funktionieren
- Kontexte einordnen, Quellen sauber führen, Zitate so setzen, dass sie extrahierbar sind
- Themen setzen statt nur auf Anfragen reagieren
Das sind Kernkompetenzen unserer beruflichen Selbstbilder. Textanalyse, hermeneutisches Arbeiten, Quellenarbeit.
Konkret: Wie sich aufstellen?
Fehlt die Übersetzung in die Praxis. Denn wie stets ist das Studium kein Mobile in vermeintlich konsekutive Felder. Wer dieses Feld erkunden will, kann an mehreren Stellen starten:
- Schreibproben produzieren, die GEO-Logik demonstrieren. Das können Gastbeiträge sein, gut strukturierte Pressemeldungen, Factsheets zu Fachthemen. Interessant ist, die eigenen Inhalte testweise in KI-Tools einzugeben und zu prüfen, ob und wie sie zitiert werden.
- Praktika oder Einstiege in PR-Abteilungen – studiennah in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen, extern in Agenturen oder Medienhäusern. Der Vorteil: Hier lässt sich beobachten, wie Kommunikation für verschiedene Kanäle gleichzeitig gedacht wird.
- Punktuell Tools kennenlernen, die in diesem Feld genutzt werden – etwa für Reichweitenanalyse oder visuelle Aufbereitung. Das ersetzt nicht die inhaltliche Kompetenz, ergänzt sie aber praktisch.
Einordnung
Das heißt nicht, dass uns jetzt in der PR sofort die Türen offen stehen. Aber es scheint die Beobachtung zu lohnen, entwickelt der Bereich sich doch gerade in eine Richtung, in der analytische und textstarke Kompetenzen strukturell gefragt sind. Wer sich für Kommunikation interessiert und bisher dachte, das stehe auf der KI-Streichliste, kann mitnehmen: das Arbeitsfeld beobachten und Übersetzungsleistungen aus dem Studium in die Praxis erproben.
Branchenverband
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Für den fachlichen Austausch zu GEO/SEO danke ich Lukas Fischer, Lichtenau.
